"Ich wußte schon immer, dass ich Zwillinge bekommen würde"

Arunisa und Aksara
Arunisa und Aksara

Arunisa und Aksara

Meine Eltern kommen aus Sri Lanka und ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Meine große Liebe fand ich auf Sri Lanka während eines Besuchs bei meinen Verwandten. Wir heirateten 2018 und mein Mann kam zu mir nach Deutschland. 

Irgendwie wusste ich schon immer, dass ich zwei Kinder auf einmal bekommen würde, schließlich haben wir viele Zwillinge in unserer Familie. Und als ich bald nach unserer wunderschönen Hochzeitsreise durch Bali schwanger wurde, bestätigte uns die Ärztin wirklich, dass da zwei Herzchen pochten.  Ich habe mich wahnsinnig gefreut und war mehr als glücklich. Mir ging es in der Schwangerschaft erst einmal gar nicht gut, ich konnte kaum etwas bei mir behalten und nahm ab. Als dazu noch Blutungen einsetzten, bekam ich Angst und wurde ins Krankenhaus eingewiesen. Zum Glück ging es den beiden Mädchen die ganze Zeit über gut. Nach dem 4. Monat kamen auch meine Lebensgeister langsam wieder zurück und ich konnte meine Vorfreude so richtig genießen. Erst während unseres Umzugs in eine größere Wohnung gab es neue Schwierigkeiten. Wegen der Sommerhitze hatte ich enorme Kreislaufprobleme und entwickelte zudem eine Schwangerschafts-diabetes. Bei einer Kontrolle in der 30.SSW zeigten sich durchgehend Wehen, obwohl ich keine Schmerzen spürte. Vorsorglich wurde ich von meiner Frauenärztin in die Klinik eingewiesen. Nach zwei Wochen strenger Bettruhe wurde der Wehenhemmer abgesetzt. Schon bald darauf hatte ich einen Blasensprung und bekam große Schmerzen in der Nacht. Am nächsten Morgen war klar, dass die Babys ziemlich bald kommen würden. Ab diesem Zeitpunkt war ich im Kreißsaal und bereitete mich auf die natürliche Geburt meiner Kinder vor. Mehrere Stunden vergingen. Es war mir unglaublich unangenehm zu liegen und so wanderte ich im Kreissaal hin und her, bis mein Kreislauf nicht mehr mitmachte. Zweimal bin ich zusammengebrochen, so ahnte ich, dass etwas mit mir nicht stimmte. Der Kreißsaal füllte sich mit Ärztinnen und Hebammen und ich spürte plötzlich große Aufregung um mich herum. Dann ging alles ziemlich schnell. Als ich wieder zu mir kam, gratulierte man mir zu unseren Zwillingsmädchen. Doch meine Freude hielt sich in Grenzen, als ich hörte, dass meine Töchter auf der Intensivstation lagen und beatmet wurden. Während der Geburt war meine Gebärmutter gerissen und nur ein Notkaiserschnitt konnte uns drei retten. Kaum hatte ich mich einigermaßen von diesem Schock erholt, mussten wir uns mit einem weiteren Problem auseinandersetzen: ein Schädel-Screening der Kinder konfrontierte uns mit dem Verdacht auf PVL (periventrikulären Leukomalazie). Dabei handelt es sich um eine Schädigung im Gehirn, die nach erheblichem Sauerstoffmangel bei Frühgeborenen auftreten kann. Ob und was dies für Arunisa und Aksara bedeutete, konnte uns zu diesem frühen Zeitpunkt niemand sagen. Es gibt eine große Bandbreite von möglichen Folgen. 

Eine Seelsorgerin machte mich auf das Angebot des Bunten Kreises aufmerksam. Mir ging es nicht nur psychisch, sondern auch körperlich ziemlich schlecht. Ich konnte kaum laufen und hatte immer noch starke Schmerzen im Bauch. Normalerweise unterstützen wir uns in unseren Familien nach einer Geburt sehr intensiv. Aber diese Entlastung war wegen der Corona-Beschränkungen nicht möglich. Umso mehr war ich dankbar über die sozialmedizinische Nachsorge. Eine freundliche und sympathische Kinderkrankenschwester vom Bunten Kreis hatte sich bereits mit einem Anruf im Krankenhaus angekündigt, denn zu dieser Zeit durfte auch sie nicht zu uns in die Klinik. 

Als die Kinder nachhause kamen, fühlte ich mich anfangs ziemlich überfordert. Es war ein Segen, dass Frau M. sofort bei uns war. Durch ihre regelmäßigen Besuche empfand ich sie wie eine Tante für Arunisa und Aksara. Sie merkte sich jeden kleinen Fortschritt der Mädchen. Von allem, was Frühgeborene betrifft, hat sie unglaublich viel Ahnung und verfügt auch in Kleinigkeiten über großes Fachwissen. Ich bekam zum Beispiel Angst, wenn Arunisa zitterte, denn ich konnte nicht einordnen, ob sie fror oder ob es sich um einen epileptischen Anfall handelte. Frau M. musste nur einen Blick auf meine Tochter werfen, um Bescheid zu wissen und mich beruhigen zu können. Ihre Erfahrung gab mir große Sicherheit. Arunisa konnte den Kopf nicht auf die linke Seite drehen und nur schlecht die Balance halten. Frau M. empfahl uns spezielle Physiotherapie nach Vojta und Castillo Morales und vernetzte uns gleichzeitig mit den entsprechenden Therapeuten. Schnell ließ sich eine Besserung erkennen. Auch Aksara taten die Übungen gut, die wir bis heute zuhause durchführen. 

Insgesamt entwickeln sich unsere Töchter sehr gut. Ich habe ausschließlich positive Gedanken, wenn ich Arunisa und Aksara anschaue und mein Mutterherz sagt mir, dass sie völlig gesund sind!

 

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