20 Jahre Bunter Kreis – ein Grund zum Feiern und ein Grund zum Danken!

25.08.2022 11:03

20 Jahre Bunter Kreis – ein Grund zum Feiern und ein Grund zum Danken!

Seit 2002 begleitet der Bunte Kreis Duisburg e.V. – Niederrhein und westliches Ruhrgebiet Familien mit zu früh geborenen und schwerkranken Kindern vom Krankenhaus nach Hause. Der gemeinnützige Verein ist als wichtiger Bestandteil aus dem sozialmedizinischen Netzwerk in Duisburg nicht mehr wegzudenken. Die professionellen, erfahrenen und empathischen Mitarbeiterinnen stehen den betroffenen Familien bei, bis der Alltag zuhause wieder gelingt. Vergangene Woche wurde dieses runde Jubiläum mit einer Feierstunde in der Liebfrauenkirche gewürdigt. Herzliche Reden und besinnliche Musik machten den Nachmittag zu einem nostalgischen, berührenden, aber auch fröhlichen und zukunftsgerichteten Erlebnis, das den Besuchern sicherlich lange im Gedächtnis bleiben wird. 

Schon beim Get-together treffen viele Weggefährten des Bunten Kreises mit ehemaligen Familien des Bunten Kreises zusammen und freuen sich sichtlich über das Wiedersehen. Außergewöhnliche Tangomusik gespielt von Marco Rohde und Helmut Joppien bringt die heiteren Gespräche zum Schweigen. Gefolgt von der Eröffnungsrede der Vorstandsvorsitzenden Dr. Gabriele Weber, die die Entwicklung des gemeinnützigen Vereins revuepassieren lässt. Über allem steht ihr großer Dank an Gründungsmitglieder, Ärzte, Spender, Mitarbeiter, die ehrenamtliche Handarbeitsgruppe „die flinken Nadeln“ und an die Stadt Duisburg. Alle helfen seit 20 Jahren zusammen, um schwerkranken Kindern eine gute Zukunft zu geben. In Anlehnung an ein afrikanisches Sprichwort betont sie, dass es die Unterstützung eines ganzen Dorfes bedarf, um ein Kind groß zu ziehen.

Die nächste Rednerin, Frau Bürgermeisterin Edeltraud Klabuhn, die den kurzfristig verhinderten Oberbürgermeister Link vertritt, kann dieses Sprichwort nur bestätigen. Sie lobt die vielen liebenswerten, engagierten Bewohner und die große Spendenbereitschaft in der Stadt. Als ehemalige Heilpädagogin ist ihr die Arbeit des Bunten Kreises schon lange wohl vertraut. Sie hebt den bemerkenswerten Einsatz der Mitarbeiterinnen hervor, die sensibel und kompetent ein besonderes Vertrauensverhältnis zu den Familien aufbauen, aus dem sich nicht selten langjährige Freundschaften, weit über den Betreuungszeitraum hinaus entwickeln. Die zahlreichen Familien, die an diesem Nachmittag zu Gast sind, machen genau dies aufs Beste sichtbar.

Das anschließend durch Ewald Hübel eindrucksvoll mit Gitarrenbegleitung vorgetragene Lied „Sind so kleine Hände“ von Bettina Wegner lässt innehalten und führt dem Publikum deutlich vor Augen, wie dringend kleine Kinder unser aller Schutz und Fürsorge brauchen.

Dr. med. Peter Seiffert, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in der Helios St. Johannes Klinik in Duisburg berichtet anschaulich über die Anfänge des Bunten Kreises und den Beginn einer äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit. Auch Prof. Dr. med. Thorsten Rosenbaum, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin in den Sana Kliniken Duisburg bestätigt als nächster Redner die gute Kommunikation mit dem professionellen Verein. Er konnte, erst vor zwölf Jahren nach Duisburg kommend, auf die gut funktionierende sozialmedizinische Nachsorge des Bunten Kreises zurückgreifen und ist dafür äußerst dankbar. 

Danach folgt der von vielen als Höhepunkt der Feier empfundene Höhepunkt der Jubiläumsfeier. Jule Heßeler, eines der ersten betreuten Babys des Bunten Kreises, erzählt aus ihrem Leben als Frühchen. Sie wurde vor 18 Jahren als Zwillingskind in der 24. Schwangeschaftswoche und damit 16 Wochen zu früh mit nur 600 Gramm geboren. Ihr Bruder verstarb schon nach zwei Tagen an schweren Komplikationen. Drei lange Monate verbrachten die Eltern zwischen Hoffen und Bangen auf der Intensivstation der Klinik. „Meine Mutter erzählte mir, dass ich aussah, wie ein Vögelchen, dass aus dem Nest gefallen war. Zu klein, zu zart, zu hilflos“. Es dauerte drei Monate mit vielen Fort- aber auch Rückschritten bis die Familie endlich nach Hause durfte. „Meine Entwicklung war holprig und eigentlich nicht so, wie die Statistik es vorsieht. Aber ich habe mich durch alle Schwierigkeiten durchgekämpft und ich war und bin genauso viel Wert wie andere, nur kleiner. Meine Eltern haben versucht, mir alle Möglichkeiten zu geben, die ein normal geborenes Kind auch hat. So habe ich zum Beispiel mit fünf angefangen Schwimmstunden zu nehmen. Mein Bronzeabzeichen habe ich dann tatsächlich noch vor der Einschulung geschafft. Allerdings wurde ich bei der Wassertemperatur im Hallenbad in kürzester Zeit blau und nur Traubenzucker half mir, die Strecken durchzustehen. 

An der Kinder-Uni hörte ich ein Seminar über Frühgeburtlichkeit. Hier konnte ich viele Informationen sammeln, die mir nachträglich zeigten, was für eine unbeschreibliche Leistung Frühchen im täglichen Leben erbringen müssen. Was ich damit sagen möchte ist, dass ich glaube, das jedes einzelne Frühchen oder jedes Kind, was mit Komplikationen leben muss, ein Kämpfer ist und nicht so schnell aufgeben wird“. Ihre beeindruckende Rede schloss Jule mit dem Dank an ihre Eltern, an betreuende Ärzte, an das Pflegepersonal und an die Mitarbeiter des Bunten Kreises, die sie stets gut begleitet und immer an ihre gute Zukunft geglaubt haben. Während des langanhaltenden Applauses haben nicht wenige in dem hohen, weiten Raum der Liebfrauenkirche Tränen der Rührung in den Augen.

In diese Stimmung passt das Lied „Weil Du mich liebst“, vorgetragen von Antoinette Holz. Die Künstlerin, selbst als Frühchen auf die Welt gekommen, hatte diese Hymne schon vor einigen Jahren für den Bunten Kreis geschrieben. „Ich hätte mir gewünscht, dass meine jungen, überforderten Eltern damals eine solch gute Unterstützung bekommen hätten, wie sie der Bunte Kreis anbietet.“ sagte sie.

Immer noch sichtlich gerührt kam Francisco Brevis Nuñez, Leitender Arzt Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in den Sana Kliniken Duisburg auf die Bühne. War doch Jule Heßeler vor 18 Jahren seine kleine Patientin. „Es ist so bewegend, zu sehen, was aus unseren früheren Sorgenkindern für wunderbare Erwachsene werden“ sagt er. Gemeinsam mit Dr. med. Metin Degirmenci, Oberarzt Neonatologie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Helios St. Johannes Klinik Duisburg hob er die große Relevanz der sozialmedizinischen Arbeit des Bunten Kreises hervor, die der Verein nicht nur mit hoher fachlicher Kompetenz, sondern auch mit viel Einfühlsamkeit und Herzblut ausfüllen. Beide loben die exzellente Zusammenarbeit der Kliniken mit dem Bunten Kreis, der die Familien schon im Krankenhaus kennenlernt und dann direkt nach der Entlassung weiterbetreut, bis der Alltag in der Ausnahmesituation mit einem schwerkranken Kind wieder gelingt. Sie wünschen sich beide, dass die vertrauensvolle Kommunikation auch in Zukunft auf diesem hohen Niveau weitergehen kann.

Bei stimmiger, besinnlicher Tangomusik hängen die meisten Besucher nach all diesen nachdenklichen, freudigen, warmen und herzlichen Worten noch ein paar Minuten ihren Gedanken nach, bis Frau Dr. Weber das Buffet eröffnet und zum regen Austausch aufruft. Viele interessante und zugewandte Gespräche ziehen sich noch bis in den frühen Abend hinein. 

Viele gute Wünsche begleiten den Verein in eine hoffentlich gute Zukunft.





 

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